Die Blutegeltherapie

Die Blutegelbehandlung wird seit Jahrtausenden angewendet. Die erste Beschreibung einer solchen Anwendung geht auf das Jahr 200 v.Chr. zurück. Sie gehört, wie das Schröpfen oder der Aderlass, zu den ausleitenden Therapien. Die Wirkung ist mittlerweile unumstritten. Selbst die Stiftung Warentest bescheinigt in ihrem Buch über alternative Heilmethoden der Blutegelbehandlung bei Kniegelenkarthrose äußerste Wirksamkeit.

Der Blutegel

Blutegel sind als Fertigarzneimittel eingestuft und unterliegen den gleichen hohen Anforderungen an Sicherheit, Qualität und Wirksamkeit, wie sie auch an alle anderen zulassungspflichtigen Arzneimittel gestellt werden.

Blutegel gehören zur Familie der blutsaugenden Ringelwürmer (Anneliden). Sie sind ca. 3 - 6 cm groß und können – vollgesaugt – ihre Größe verdoppeln. Der Blutegel ernährt sich ausschließlich von dem Blut der Wirtstiere. Der Blutegel kann ein Alter von bis zu 20 Jahren erreichen. Er kann bis zu 2 Jahre von einer Blutmahlzeit leben. Er kommt immer mit männlichem Geschlecht auf die Welt und macht im Alter von 8 - 9 Jahren eine Geschlechtsumwandlung durch und kann dann Eier legen.

 

Wie wirkt die Blutegeltherapie?

Das Wirkspektrum des Blutegels ist breit gefächert und hat ihm den Beinamen „lebendige Medizin“ eingebracht. Es beruht im Wesentlichen auf zwei Faktoren: Zum einen kommt der geringe Blutverlust einem sanften Aderlass gleich. Er führt zu einer lokalen Entstauung des Gewebes, wirkt blutverdünnend, entzündungshemmend und leitet Toxine und Stoffwechselprodukte aus. Zum anderen finden sich im Speichel des Blutegels über 20 verschiedene Substanzen unterschiedlichster Wirkung und Wechselwirkung, darunter die Blutgerinnungshemmer Hirudin und Calin sowie das schmerzstillende und entzündungshemmende Eglin.

Zusammenfassend wirkt die Blutegel-Therapie

  • gerinnungshemmend und ausleitend
  • lymphstrombeschleunigend und entschlackend
  • blutverdünnend und antithrombotisch
  • indirekt immunstärkend
  • gefäßkrampflösend und schmerzstillend


Wie wird die Blutegelbehandlung durchgeführt?

Die in der Naturheilpraxis verwendeten Blutegel werden speziell für medizinische Zwecke unter strengen hygienischen Voraussetzungen gezüchtet. Jeder Egel wird nur ein einziges Mal angesetzt, so dass die Übertragung von Infektionen sicher vermieden wird.

Abhängig von der Erkrankung und der Größe des zu behandelnden Gebiets kommen 2 bis max. 6 Egel zum Einsatz. Die Egel werden direkt auf die gereinigte Haut gesetzt, der Biss ist dank eines im Speichel enthaltenen Schmerzmittels i. d. R. schmerzlos. Die Egel fallen von alleine wieder ab, wenn sie sich vollgesogen haben. Das kann zwischen 10 und 120 Min. dauern, der Blutverlust pro Egel beträgt ca. 10 ml.

Im Anschluss an die Behandlung kommt es zu einer therapeutisch gewünschten Nachblutung. Die Stärke der Nachblutung ist individuell verschieden (ca. 20-40 ml je Bissstelle) und kann bis zu 24 Stunden dauern. Die Wunde wird mit einem Druckverband versorgt, der regelmäßig gewechselt werden muss. Nach längstens einer Woche ist die Wunde verheilt. 

Die Häufigkeit der Anwendung richtet sich nach dem Therapieerfolg, der sich oft schon nach der ersten Anwendung einstellt. Frühestens nach vier Wochen kann an der behandelten Stelle eine erneute Behandlung erfolgen.

 

Indikationen

  • Venenleiden
  • Besenreiser
  • Trigeminusneuralgie
  • Tennisarm/ Sehnenscheiden-, Schleimbeutelentzündung
  • Arthrose/ Gicht/ Rheuma
  • Tinnitus/ chronische Mittelohrentzündung
  • u.v.m.

 

Gegenanzeigen

Die Blutegel-Therapie ist nicht geeignet für Patienten, die blutverdünnende Medikamente (z. B. Marcumar, ASS) nehmen, bei arteriellen Verschlusskrankheiten (z. B. „Schaufensterkrankheit“, „Raucherbein“), Blutungsneigung (z. B. Bluterkrankheit), Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Hauterkrankungen im Bereich des zu behandelnden Gebiets, bei Lebererkrankungen mit herabgesetzter Blutgerinnung (z. B. Leberzirrhose), starker Anämie (Blutarmut) und vor Operationen bzw. einigen Zahnbehandlungen.